Vom Tun zum Sein

Vom Tun zum SeinVom Tun zum Sein

Ich habe eine große Sehnsucht danach, einfach nur zu sein. Was bedeutet das? Tun ist Handlung und immer nach außen gerichtet. Ich lenke meine Aufmerksamkeit nach außen und lasse mich von Impulsen und Erfordernissen leiten. Passiert das überproportional oft, kann das zu einem Zustand führen, den ich in einem Gedicht folgendermaßen beschrieben habe.

 

 

Widerstand

Es beginnt schon in der Früh
mit des ganzen Tages Müh
Aufstehn, Duschen, Zähne putzen
Frühstücken, das Klo benutzen
Händewaschen, Pausensnack
Schuhe an, schon bin ich weg

Kita, Schule oder Job
niemand fragt mich jemals ob
diesen ganzen Kinderkram
ein andrer für mich machen kann

Bin wie der Suppenkasper
stets bereit zu schrein:
Ich esse meine Suppe nicht!
Ich esse keine Suppe. Nein.

Heut muss ich den Hausflur fegen
würd mich lieber niederlegen
doch der Einkauf steht noch an
jeder will was, Kinder, Mann
auch die Mutter, schon betagt
hat zum Tee sich angesagt

Job, Familie, Nachbarschaft
woher nehm ich diese Kraft
meine ganzen Lebenspflichten
kann die nicht ein andrer richten

Bin wie der Suppenkasper
stets bereit zu schrein:
Ich esse meine Suppe nicht!
Ich esse keine Suppe. Nein.

Wochenende, Ausruhzeit
doch noch ist es nicht so weit
erst noch nach dem Garten sehn
mittags in der Küche stehn
die Steuer will erledigt sein
schon wieder kommt ein Anruf rein

Ist das Alles denn zu glauben
kann sich jeder hier erlauben
mich zu drängeln und zu hetzen
statt sich für mich einzusetzen

Bin wie der Suppenkasper
stets bereit zu schrein:
Ich esse meine Suppe nicht!
Ich esse keine Suppe. Nein.

Und so werd ich immer dünner
gibt es keinen Hoffnungsschimmer
heißt das Leben denn nur Tun
ist nie Zeit sich auszuruhn
bedeutet meine Lebenszeit
ich bin zu allem stets bereit

So vergeht mir Tag um Tag
das Leben scheint nur Müh und Plag
doch heute habe ich erkannt
das Ganze nennt sich Widerstand

Ich sag mir sei nicht so verstockt
das hast du selbst dir eingebrockt
höre auf, soviel zu tun
nimm dir Zeit dich auszuruhn
musst nicht rennen nur und rödeln
hab auch Zeit herumzublödeln
musst nicht immer fleißig sein
lege öfter Pausen ein.

Inzwischen ist die Sache klar
die Suppe, die schmeckt wunderbar!

Der weibliche Weg bedeutet für mich in diesem Fall, häufig auch nach innen zu gehen. Darauf zu lauschen, was mein Körper jetzt braucht, was meiner Seele gut täte, was mir jetzt Freude machen würde. Wenn das Tun mich offensichtlich überfordert, bin ich nicht in der Balance von Tun und Sein.

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