Liebe leben – Leben lieben

 

Liebe leben

Vor über 30 Jahren habe ich registriert, dass die meisten Lieder, die wir täglich hören, von Liebessehnsucht handeln, die noch nicht oder nicht mehr erfüllt wird. Da wird entweder jemand angeschmachtet, der noch erobert werden muss oder unerreichbar ist, oder es wird jemandem nachgetrauert, ohne den bzw. die das Leben jetzt leer und sinnlos geworden ist. Liebe als Idealisierung von Beziehungen zwischen erwachsenen, meist gegengeschlechtlichen Menschen.

Wenn ich da hin spüre, beschleicht mich ein Gefühl von „Ausverkauf der Liebe: Heute Liebe zum halben Preis. Nehmen Sie zwei, bezahlen Sie eine!“
Liebe als Ware, die wir uns geben, vorenthalten oder gar einfordern können?

Wenn wir im Mutterleib heran reifen, machen wir die Erfahrung, in absoluter Nähe und Verbundenheit über uns hinauszuwachsen. Diese Erfahrung, in der Symbiose mit der Mutter gemacht, führt zu zwei Sehnsüchten, die uns unser Leben lang begleiten und antreiben, weitere Erfahrungen dieser Art zu machen. Tatsächlich bestimmen diese Lernerfahrungen die Ausbildung unseres Gehirns – das weiß die Neurobiologie zu berichten.

Aber wir wissen, dass unsere Sehnsüchte, unser Heimweh bei gleichzeitigem Fernweh, nicht gestillt werden. Und so bilden wir weiter Vorstellungen darüber aus und richten Erwartungen aneinander, wie es zu sein und was der/die andere zu tun hätte, damit wir glücklich sein könnten. Auf diese Weise kreieren wir uns Enttäuschung, die zu Leid, Entzweiung und Rückzug führt.

Meine Entwicklung aus diesem Dilemma hat gedauert und war schmerzhaft. Sie hat mich in die Selbstverantwortung geführt und erkennen lassen: Der Mensch meines Lebens bin ich. Ich bin die Schöpferin meiner Lebensumstände und begegne im Außen lediglich meinen eigenen Facetten. Die Frage danach, was ich hier gespiegelt bekomme, führt dazu, meinen Spiegel von blinden Flecken zu befreien. Hilfreich dafür ist die Entscheidung, Achtung und Respekt für mich und jede Form von Leben zu haben und zu verwirklichen. Im Ergebnis habe ich ausschließlich Interesse an Beziehungen auf Augenhöhe, statt mich oder andere zum Objekt zu machen. Und so wie ich mich immer besser kennengelernt habe, ist mein echtes Interesse daran gewachsen, wer die Menschen sind, denen ich begegne. Was bewegt sie? Was interessiert sie? Was macht sie aus? Auf diesem Weg bin ich in der Liebe zu mir selbst angekommen. Nur das, was ich habe, kann ich auch teilen.

Während eines Ausflugs mit dem Rad an einem frühen Sommermorgen sind Gefühle in mir aufgetaucht, die ich im folgenden Lied verdichtet habe:

Der Tag ist noch jung,
die Sonne kommt grad wieder
mein Herz ist erfüllt
und es singt Liebeslieder
Von Weite und Freiheit
von Freude und Lust
auf das Leben, auf das Leben

Der Tag kehrt zur Ruh
die Nacht kommt jetzt wieder
mein Herz ist erfüllt
und es singt Liebeslieder
von Respekt und Vertrauen
von Hoffnung und Lust
auf die Liebe, auf die Liebe

Die Liebe ist stark
sie hat uns geboren
sie hat sich gar selbst
mir zur Liebsten erkoren
gemeinsam wir loten das Leben jetzt aus
mit dem Herzen, mit dem Herzen

Und so spreche ich die Ermutigung aus: Lasst euch nicht länger einreden, Selbstliebe sei Egoismus. Das ist eine Lüge. Selbstliebe ist die Basis für eine Beziehung auf Augenhöhe, in der alle sich weiter entwickeln dürfen. In Verbundenheit bei gleichzeitiger Freiheit.

 

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